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Genuss-Experte und Marketingprofi wollen Epizentrum des Apfelweins werden

Der aus Oberursel im Taunus stammende Johannes Döringer ist Traditionalist und Feinschmecker zugleich: "Ich bin nicht süßgespritzt und auch nicht Cola- oder Weißwein-versetzt." Und er ist im positiven Sinne Apfelwein-verrückt. Er besitze 1600 Apfelbäume im Taunus und in der Wetterau, erzählt er. Seit über 20 Jahren experimentiere er mit alten Sorten, habe Bücher darüber geschrieben: Bonapfel, Goldparmene, Trierer – gerne auch in Kombination. Man kennt Johannes Döringer als "Jockel" in der Szene, unter anderem auch seiner "Hessischen Apfelweinmeisterschaft", die er 2011 mit einem Freund ins Leben rief und die zu einem Erfolg wurde.

Bisher profitierte von Döringers Kreationen vor allem der erweiterte Freundeskreis. Mit seinem neuesten Projekt macht er sein Hobby nun zum Beruf. "Eine eigene Apfelweinkneipe, das war schon immer mein Traum." Zusammen mit Frank Winkler, einem gastroerfahrenen Marketing-Fachmann, hat er die knapp 200 Jahre alte, leicht angestaubte Schenke "Lorsbacher Thal" mitten in Alt-Sachsenhausen übernommen. Das heißt: mitten rein ins Herz des Frankfurter Apfelwein-Selbstverständnisses. Ein wenig fürchtet sich Döringer vor dem Klientel des Party-Viertels. Es gibt viel Sauferei und sehr viele Junggesellenabschiede dort. Dann wieder fühlt er sich als Pionier, der verlorenes Terrain zurückerobert. "Es gibt kein falsches Klientel. Es gibt nur ein falsches Konzept."

Das Konzept der beiden Gründer ist in Frankfurt tatsächlich einmalig: 50 verschiedene Apfelweine wollen sie anbieten, das ganze Jahr über. "Ich habe nie verstanden, warum es in dieser Stadt keine Läden mit Auswahl gibt", sagt Winkler. Mehr als einen Schoppen habe kaum einer der traditionellen Wirtschaften im Angebot. Winkler hat Erfahrung in der Feinschmecker-Gastronomie. Die Vielfalt, die er auf der internationale Apfelweinmesse kennengelernt hat, habe es ihm angetan, sagt er. Neben einem günstigen Hausschoppen (0,3-Glas für 1,90 Euro), den die Keltereien Rothenbücher oder Heil anliefern, gibt es auf der Karte des Lorsbacher Thals künftig auch Rubinette aus Österreich für neun Euro pro 0,2 Liter oder Apfelsekt von Roten Boskoop für 7 Euro à 0,2. Die teuerste Flasche kostet 42,80 Euro, ein süß-säuerlicher Dessert-Apfelwein vom Bodensee.

Auf Feinschmecker allein wolle man aber nicht setzen, sagt Winkler, zumal es innen trotz einiger Arbeiten immer noch sehr wie alte Apfelweinstube aussieht. Das Lokal ist groß, 350 Plätze drinnen und draußen. Die Preise der offenen sortenreinen Apfelweine beginnen bei 2,20 Euro für das 0,2-Glas. Kelterei und Lage der Streuobstwiese sind in der Karte angegeben. Die Beschreibungen lesen sich etwa so: "Sattes, üppig-würziges Aroma, mit intensiver Frucht und leichter, hintergründiger Süße. Harmonisch eingebettete Säure und Tannine im Abgang."

Döringer will – und hier kommt das Hobby wieder mehr ins Spiel – neben dem Gekauften immer auch zwei bis drei Selbstgekelterte anbieten. "Ich glaube, wir sind neben der Buchscheer in Sachsenhausen die einzigen, die das noch machen." Die Obstpresse konnte er vom Vorbesitzer übernehmen, der sie schon lange außer Dienst gestellt hatte. Bald schon soll es frischen Süßen zum Mitnehmen geben. Später dann, wenn die Äpfel reifer und süßer sind, auch Apfelwein. Döringer ist voller Tatendrang: "Ich will das Epizentrum zum Thema Apfelwein werden."